Die Waffen des Kobudo

Die Vielzahl der eingesetzten Waffen im Kobudo macht eine vollständige Übersicht fast unmöglich.
Viele dieser Waffen sind in Vergessenheit geraten. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig, z. B. gelten einige diese Waffen in verschiedenen Ländern tatsächlich als vollwertige Waffen und fallen demzufolge unter das jeweilige Waffengesetz.
So sind in Deutschland zum Beispiel das Nunchaku und der Tekko verboten, während dies in den Niederlanden nicht der Fall ist.
Auch ist die Nutzung normaler alltäglicher Gebrauchsgegenstände wie z.B. Haarnadeln außerhalb Okinawa’s häufig unbekannt.

Der Bo

Der Bo (ein grader langer Holzstock) ist wohl eines der ältesten Hilfsmittel der Menschheit.
Die Nutzung des Stocks als Waffe lässt sich bis ins 5. Jahrhundert nach Christus zurückverfolgen, wo dieser im einem Tempel (Shorin-ji Tempel) in China erstmals als Waffe erwähnt wird. Ab ca. 1314 wird der Bo erstmals als Waafe im Kampfkunstsystem des Kobudo als Waffe erwähnt.
Seinen Ursprung hat der Bo vermutlich im von Bauern genutzten „tenbi“, welcher über den Schulten getragen wurde und es erlaubte an beiden Enden des Stock Lasten anzuhängen.
Als Waffe ist der Bo eine oftmals unterschätzte Waffe deren Gebrauch von Kobudo-Meistern perfektioniert wurde.

Auf Okinawa wird der Bo als „Kon“ bezeichnet
Länge und Form des Bo können variieren, was sich in den diversen Namen wiederspiegelt.
  • Rokushaku-bo – 182 cm lang, rund, in der Mitte 3 cm und an den Enden 2,5 cm stark
  • Sansshaku-bo oder Han-bo – 90 cm lang
  • Kushaku-bo – 2,74 m lang
Darüber hinaus kann auch der Querschnitt bzw. dessen Form variieren:
  • Maru-bo – rund
  • Kaku-bo – viereckig
  • Rokkaku-bo – sechseckig
  • Hakkaku-bo – achteckig
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Das Sai

Das Sai wird den Fischern zugerechnet, von deren Manji-sai abstammen könnte.
Das Manji-Sai war ein Gerät, welches genutzt wurde um den Fang in das Boot zu ziehen.
Das Manji-Sai fällt dadurch auf, dass eine der Gabelspitzen in die entgegengesetzte Richtung zeigte.
Eine andere Theorie besagt, dass das Sai von Bauern verwendet wurde um Furchen für das Saatgut in den Ackerboden zu ziehen.

Für den Kampf wurden zumeist zwei Sai verwendet, wobei häufig ein dritter Sai verborgen auf dem Rücken mitgeführt wurde. Dieser konnte wie ein Messer geworfen werden.
Durch ihre Beschaffenheit aus Eisen und ihre Form waren diese Waffen auch perfekt für die Abwehr anderer Waffen geeignet.

Die Abmessungen des Sai richten sich was die Länge angeht nach der Größe und Armlänge des Nutzers. Die am häufigsten vorkommenden Formen sind rund oder achteckig.

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Die Tonfa

Ursprünglich gedacht um Mühlsteine anzutreiben hat sich die Tonfa, welche auch unter der Bezeichnung Tuifa oder Tongwa bekannt ist, als mächtige Waffe entpuppt und bis in die westliche Welt Einzug gehalten. Heute setzen viele Polizeieinheiten Schlagstöcke ein, welche der Tonfa sehr ähneln.
Als Griffe für Mühlsteine wurde der lange Teil des Schaftes in ein seitliches Loch des waagerechten Mühlsteines gesteckt und mit dem nach obenstehenden Griff gedreht.
Es kann nicht nachvollzogen werden, seit wann die Tonfa als Waffe Verwendung fand, da diese Entwicklung sich parallel in verschiedenen Ländern Asiens vollzog.

Im Kampf wurden meistens zwei Tonfa benutzt, so konnte mit einer Hand ein Angriff abgewehrt werden, während mit der anderen ein Gegenangriff ausgeführt wurde.
Zu den Stoß- und Schlagtechniken kommen noch die Techniken hinzu, bei denen die Tonfa um die Griffe gedreht werden. Bei diesen "furi uchi" genannten Schwingschlägen entstehen sehr große Geschwindigkeiten, welche diese Techniken sehr effektiv machen.
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Das Nunchaku

Beim Nunchaku handelt es sich um eine einfache aber sehr gefährliche Waffe, welche aus dem Dreschflegel entwickelt wurde.
Es besteht aus zwei relativ kurzen Hartholzstöcken die mit einer Kette oder Schnur verbunden sind. Die Griffstücke sind etwas dicker im Durchmesser las der übrige Stock um das Gewicht und somit die Durchschlagskraft zu erhöhen.
Die Stöcke sind in ihrer Form entweder rund (marugata), sechseckig (rokakukei) oder achteckig (hakakukei).
Das Nunchaku stammt ursprünglich aus China, wo es schon lange als Waffe genutzt wurde.

Als Variante des Nunchakus kommt das Muge ins Spiel, welches sich aus dem Zaumzeug für Pferde ableitete. Auf Okinawa kann man noch heute das Muge in diversen Dojo’s vorfinden.
Durch die ungleichmäßige Form des Muge ist der Umgang ungleich schwieriger als mit der graden Variante des Nunchaku.
Meister Yamashiro entwickelte mit Meister Matayoshi diverse Spezialtechniken für das Muge, woraus sich die Muge-Kata entwickelte, die allerdings nicht offiziell zum Matayoshi-System zählt.

Es sei hier erwähnt, dass das Nunchaku und auch das Muge unter das Waffengesetz Deutschlands fallen und somit das Mitführen und der Besitz solcher Waffen verboten ist!
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Das Eku

Eigentlich ein Bootsruder, war es doch das bevorzugte Werkzeug zur Selbstverteidigung bei den Bewohnern der Fischerdörfer.
Die Gesamtlänge des Eku (auch als oar, kai oder sunakake-bo bekannt) betrug ca. 170 cm, wovon ca. 100 cm auf den runden Griffteil entfielen, was dem Nutzer erlaubte Bo-Techniken auszuführen.
Die Schaufel hingegen eignete sich bestens um Schläge auszuführen oder dem Gegner Sand ins Gesicht zu schleudern.
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Der Nunti-bo

Der Fischspeer ist ebenfalls ein Werkzeug der Fischer und könnte der Ursprung des Sai sein.
Es wurde benötigt um die Netze einzuholen oder den Fang in das Boot zu ziehen.
Mit einer Länge von ca. 206 cm und einer Grifflänge von 170 cm eignet es sich hervorragend um alle Speer- und Stock-Techniken auszuführen.
Zusätzlich zum eigentlichen Nunti-Bo wurden in der Regel zwei weitere Nunti mitgeführt, welche sich bestens zum Werfen eigneten.
Interessanter Weise gab es für den Nunti-Bo und die Nunti keinerlei Beschränkungen bezogen auf das Mitführen dieser potenziell gefährlichen Werkzeuge durch die Japanischen Besatzer.
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Das Sansetsukon

Ein dreiteiliger Stock (san = drei, kon = Stock) dessen Einzelteile ursprünglich mit Ketten miteinander verbunden waren (auf Okinawa bevorzugte man Rosshaar oder Lederschnüre um die Waffe geräuschärmer zu machen).
Ursprünglich aus China stammend kam diese gefährliche Waffe zwischen 1200 und 1600 nach Christus nach Okinawa.
Der Sansetsukon kann in der Länge zwischen 100 und 210 cm variieren.
Durch die beachtliche Länge des Sansetsukon und den möglichen Schwingtechniken ist der Sansetsukon eine sehr gefährliche Waffe.

Es sei hier erwähnt, dass das Sansetsukon unter das Waffengesetz Deutschlands fallen und somit das Mitführen und der Besitz solcher Waffen verboten ist!
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Die Kama

Kama sind kurze Sicheln zum Schneiden von Zuckerrohr oder Getreide in Asien Verwendung fanden.
Selbst heute finden sich diese Werkzeuge nicht selten bei der Ernte.
Im Kampf wurden meist zwei Kama verwendet, mit ihnen ließen sich viele Arten von Abwehrtechniken wirkungsvoll praktizieren. Zum Angriff wurden meistens Schneidetechniken (Giri), aber auch Stoßtechniken (Tsuki) angewendet.

Als Variante gibt es auch die Kama-kusari (Sichelkette) bei der eine Schnur oder dünne Kette an den Kama befestigt wird. Hierbei können zusätzliche Wirbeltechniken ausgeführt werden, was angesichts der Schärfe der Waffen nur wenige Meister beherrschen.
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Die Kue

Ähnlich unserer westlichen Garten- oder Feldhacke ist die Kue eine typische Bauernwaffe.
Mit dem Holzstiel (meist Eiche) lassen sich viele Abwehr- und Angriffstechniken ausführen.
Die Metallkelle am Ende des Stiels ermöglicht den Einsatz als Schlagwaffe und erlaubt es dem Gegner Sand in die Augen zu werfen.
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Der Timbe

Auch als Tinbei oder Tohei bezeichnet, ist ein Schild, wie er in vielen Kampfkünsten Verwendung findet.
Entwickelt aus Stroh- oder Holzschüsseln die bei der Feldarbeit Verwendung fanden oder aber gefertigt aus Schildkrötenpanzern welche sogar dem Hieb eine Katana Stand hielten waren diese zur Abwehr von Angriffen unabdingbar.
Mit dem Timbe kamen in der Regel kurze Speere oder Macheten zum Einsatz.
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